Red:out! KPÖ

Homophobe Werbeagentur in Oberösterreich

AktuellIm folgenden eine kurze Wiedergabe einer Anfrage, die vor einigen Tagen zwei engagierten Frauen an Red:out! und weitere les:bi:schwule Organisationen gerichtet hatten. Die beiden wollten eine neue Internet-Plattform für les:bi:schwule Community in Österreich starten und wandten sich wegen der graphischen Gestaltung und technischen Umsetzung an verschiederne Werbeagenturen. Eine der angefragten Agenturen wollte kein Angebot legen - "da wir die Krankheit ihrer Zielgruppe nicht unterstützen!".

Vor kurzem erhielt Red:out! folgende email-Anfrage:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Freundin und ich möchten in den nächsten Wochen unsere eigene Community gründen, welche vor allem Personen mit homosexueller Neigung ansprechen soll.

Aus diesem Grund haben wir an diverse Webdesigner eine Anfrage hierzu geschickt (ganz unten lesbar). Vor ein paar Minuten bekamen wir folgende beleidigende Antwort (etwas weiter unten zu lesen). Daher griffen wir zu dem bei Ihnen ausliegenden Ratgeber "Dein Recht im Alltag", um uns über unsere Rechte zu informieren, sind uns aber nicht sicher, was wir nun dagegen unternehmen können/ dürfen.

Ist es rechtlich möglich, auf unserer zukünftigen Website eine Art Black-List zu erstellen, auf denen wir alle Firmen auflisten, die homosexuelle in solcher Art diskriminieren?

Wir würden Sie in diesem Fall gerne über eine Stellungnahme bitten. Vielleicht können Sie uns mit weiteren Informationen und Ratschlägen zum weiteren Verlauf dieses Falles weiterhelfen, um solche Angriffe in Zukunft zu vermindern.

Herzlichen Dank im Voraus,

Tanja H. und Sonja W."

Die angesprochene Antwort liest sich kurz und bündig so:

Betreff: Fwd: Re: Angebot für Homepageerstellung

-------- Original-Nachricht --------
Datum: Fri, 4 Apr 2008 13:46:59 +0200
Von: Markus Malzner <markus@malzner.com>
An: "Tanja H." <T.H@email.adresse>
Betreff: Re: Angebot für Homepageerstellung

Sehr geehrte Frau Horner,

Wir müssen leider von einem Angebot absehen, da wir die Krankheit
Ihrer Zielgruppe nicht unterstützen!

Mit freundlichen Grüßen

Markus Malzner

---
malzner|dot|com
Agentur für Mediendesign

[Zitat Ende]

Wirft man/frau einen Blick auf die Homepage der Werbeagentur und insbesondere auf die dort angeführten Referenz-Projekte, wird schnell klar, das es sich beim Betreiber der Agentur um einen Menschen mit einem Naheverhältnis zu christlich-fundamentalisitschen Gruppen handelt; als Referenzprojekte sind u.a. die Homepage-Gestaltung für Organisationen wie "EheNetz – FamilienNetz", "Evangelikale Gemeinde Kremstal" oder "Scharnsteiner Bibelkreis e.V." angeführt.

Es fällt auch auf, dass unter der gleichen Adresse wie die Werbeagentur auch die Organisation „Family Life Mission Österreich“ residiert, eine Organisation die es sich nach eigenen Angaben der Aufgabe widmet, "engagierte Christen" (...) "eine fundierte Ehe- und Familienberatung auf biblischer Grundlage" [anzubieten] (http://www.flm.at/about.php); der Betreiber der Werbeagentur Markus Malzer findet sich auf der, auf der Homepage publizierten, Mitgliederliste.

Aufgrund der bekannten Rechtslage in Österreich konnten wir den beiden leider nur folgendes antworten:

"Rechtlich sieht es diesbezüglich leider eher schlecht aus: rechtlichen Schutz vor Diskriminierung gibt es für Les:bis:schwule Menschen in Österreich nur am Arbeitsplatz (Schutz gegen Diskriminierung bei der Einstellung od. Mobbing am Arbeitsplatz etc.).

Bei Zugang zu Dienstleistung wie in Eurem Fall, gäbe es zwar relevantes EU-Recht (die sog. "Dienstleistung-Richtlinie" 2004/113/EG), der österreichische Gesetzbeger setzt diese Richtlinie aber nur sehr minimalistisch um (gerade läuft deshalb die 7.Novellierung des Gleichbehandlungsgesetzes (GlBG)) - Lesben und Schwule werden wieder nicht vom Diskriminierungsschutz erfasst).

Klagen könnt ihr die Firma wegen ihrer homophoben Ausfälle daher leider nicht.

Ich würde Euch trotzdem raten, Euch wegen der juristischen Seite an die Profis auf dem Gebiet zu wenden; Helmut Graupner vom Rechtskomitee Lambda kann Euch da sicher fundiert Auskunft geben (und ist in der Regel in solchen Fragen sehr hilfsbereit)

http://www.graupner.at/d/index.html

Was ihr aber sicher machen könnt (und quasi ja auch schon gemacht habt): das homopobe Verhalten dieser Werbeagentur publik machen. Leitet das Mail (sofern Ihr das nicht ohnehin schon gemacht habt) an möglichst viele Szene-Medien weiter (PRIDE, Lambda-Nachrichten etc.); das erscheint mir effektiver als das anlegen einer privaten Black-list und ist jedenfalls erlaubt; weiters würde ich Institutionen wie die Antidiskriminierungsstelle der Stadt Wien (http://www.wien.gv.at/queerwien/) oder Courage (http://www.courage-beratung.at/start_index.htm) informieren, die solche Fälle dokumentieren und auch publizieren.

Prostest-Mails an die Firma (wie in anderen Fällen durchaus üblich und sinnvoll in solchen Angelegenheiten, besonders bei größeren Konzernen etc.) werden in diesem Fall nicht sonderlich viel bringen, da es sich, schaut man sich die "Referenz-Projekte" der Werbeagentur an, um einen christlichen Fundamentalisten zu handeln scheint.

Mit freundlichen Grüssen...

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